Institut für Ressourcenmanagement
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Deutsch-Iranische Zusammenarbeit

Deutsch-Iranische Zusammenarbeit im Wassersektor erfolgreich gestalten. Was Unternehmen für einen gelungenen Markteintritt im Iran wissen sollten

Der Iran ist seit jeher einer der wichtigsten Handelspartner der Bundesrepublik in der MENA-Region. Mit seiner dynamischen Bevölkerungsentwicklung und einem wettbewerbsfähigen Bildungssystem bietet der Iran vielfältige Marktpotenziale. Insbesondere im Bereich der Wasser- und Abwasserinfrastrukturen besteht nach Ende der Sanktionen enormer Nachholbedarf. Die im Rahmen der "Exportinitiative Umwelttechnologien" des BMUB erstellte Studie "Der iranische Wassersektor" identifiziert besonders interessante Handlungsfelder für deutsche Unternehmen. Des Weiteren beschreibt sie die aktuellen Rahmenbedingungen im Iran, den aktuellen Zustand des iranischen Wassersektors, wichtige Akteure und Entscheidungsprozesse, so dass deutsche Unternehmen Chancen und Risiken eines Engagements im Iran bestmöglich abschätzen können.

Im iranischen Wassersektor besteht großer Handlungsbedarf

Der Stand der Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur im Iran weist hauptsächlich für die ländlichen Regionen einigen Rückstand zu den Entwicklungszielen des Outlook-Planes, der übergeordnete politische Zielsetzungen bis zum Jahr 2025 für verschiedene Sektoren festgelegt hat, auf. Bis 2025 sollen demnach 60% der Stadtbewohner und 30% der ländlichen Bevölkerung an eine Abwasserinfrastruktur angeschlossen sein. Im Bereich der Trinkwasserversorgung sollen jeweils 100% erreicht werden.

Um die Zielerreichung schrittweise sicherzustellen, wurden Teilziele mit Schwerpunkten für ländliche Regionen sowie den Abwassersektor formuliert. Die iranischen Verantwortlichen wissen um vorhandene Defizite, die vor allem im Bereich der Software und Steuerungstechnologie liegen. Ein Manko sind zudem die häufig wenig wirtschaftlichen Arbeitsweisen und Methoden sowie die sehr hohen Wasserverluste in den Leitungsnetzen.

Öffentlich-private Partnerschaften als einfachste Form des Markteintritts in den iranischen Wassersektor

Der Eintritt in den iranischen Wassersektor ist über verschiedene Formen möglich: Hierzu gehören Direktinvestitionen, Beteiligung an Projektausschreibungen und der Export von Waren und Dienstleistungen. Beteiligungen an Projektausschreibungen ("Contractual Agreements"), insbesondere Beteiligungen über öffentlich-private Partnerschaftsmodelle wie zum Beispiel Build-Operate-Transfer (BOT) oder Build-Own-Operate (BOO) sind im iranischen Wassersektor derzeit der geläufigste und einfachste Weg für einen ausländischen Investor, um sich am Markt zu beteiligen, da in anderen Bereichen die Gesetzgebung äußerst restriktiv ist.

Möglichkeiten für deutsche Unternehmen bestehen in vielen Bereichen

Die Kompetenzen deutscher Unternehmen und Institutionen zum Schutz bestehender und zur Erschließung neuer Wasserressourcen sind aufgrund der stark sinkenden Wasserverfügbarkeit und Verschlechterung der Wasserressourcenqualität sehr gefragt. Weiterhin müssen zur Verbesserung der Trinkwasserqualität und zur Erhöhung der Effizienz in den nächsten Jahren viele Wasserwerke und Pumpstationen modernisiert und ertüchtigt werden. Da in diesem Bereich wenig Erfahrungen und Know-how bei den iranischen Consultants und Planern vorhanden sind, gibt es hier gute Chancen für deutsche Ingenieurbüros, sich gemeinsam mit den iranischen Partnern für solche Projekte zu bewerben.

Im Vergleich zum Trinkwasserbereich bietet der Abwassersektor ein deutlich größeres Handlungsfeld für deutsche Unternehmen. Der geplante Bau von zahlreichen Kläranlagen bietet in erster Linie den Komponentenherstellern eine gute Chance für die Zusammenarbeit. Von zunehmender Bedeutung für die iranische Wasserwirtschaft ist der Bereich des Schlammmanagements. Dazu existieren bislang kaum praktische und erfolgreiche Erfahrungen im Iran. Abschließend ist der Bereich der Fortbildung in übergeordnetes und strategisch wichtiges Element der deutsch-iranischen Zusammenarbeit. Technologien "Made in Germany" genießen im Iran hohe Wertschätzung – daran können Trainingsprogramme zu Betrieb und Wartung anknüpfen.

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"Deutschland und Iran haben eine lange Tradition der Zusammenarbeit. Deutsche Unternehmen sollten dies als Chance sehen, um sich am dortigen Markt zu positionieren, bevor es andere tun."

Dr. Shahrooz Mohajeri