Institut für Ressourcenmanagement
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Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM) – Integration und Implementierung von Partizipation in IWRM-Projekten

IWRM-Erfolgsfaktor Partizipation: Wie Stakeholder am Management von Wasserressourcen beteiligt werden können

Wasser ist ein knappes Gut und ein integriertes Management der Wasserressourcen (IWRM) kann helfen, die zahlreichen und nicht selten widerstrebenden Interessen verschiedener Nutzer wie Industrie, Landwirtschaft, Natur oder Bevölkerung auszugleichen.

Die Erfahrung lehrt: Wenn es gelingt, die relevanten Stakeholder am Entscheidungsprozess zu beteiligen, entstehen praktikable Lösungen. Partizipation ist deshalb ein zentraler Aspekt des IWRM. Wie das in 20 internationalen Wassermanagementprojekten von Namibia bis in die Mongolei konkret umgesetzt wurde und was sich daraus lernen lässt, hat inter 3 untersucht und in einem Leitfaden für Wissenschaftler und Wasserwirtschaftler zusammengestellt, der auch Empfehlungen für die Programmgestaltung von IWRM-Projekten enthält.

Gemeinsam Ziele definieren und Stakeholder benennen

In den vergangenen rund 20 Jahren wurden diverse Beteiligungsmethoden entwickelt und angewandt, unterschiedliche Definitionen von Stakeholdern formuliert und Partizipation mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen praktiziert. Eins ist klar: Beteiligungsprozesse lassen sich nicht einfach nebenher durchführen, sie müssen als wichtige Säule eines Projekts verstanden werden. Erfolgreiche Beteiligungsprozesse beginnen mit der transparenten Definition der relevanten Stakeholder und der verfolgten Ziele, so dass die konkreten Methoden gemeinsam und passgenau ausgewählt werden können.

Partizipation kostet, aber das zahlt sich aus!

Partizipation ist ein kooperativer Prozess mit offenem Ergebnis. Entscheidend ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, Flexibilität und teils sogar zum Verzicht auf Macht. Aufbau und Pflege von Netzwerken benötigen Zeit, Vertrauen will erarbeitet sein. Die langfristige Einbindung von Stakeholdern ist zwar ressourcenintensiv, aber ohne geht es nicht. Um erfolgreiche Beteiligung im IWRM zu ermöglichen, müssen sowohl Projekt- als auch Programmverantwortliche daher angemessene Zeit-, Geld- und Personalressourcen bereitstellen. Projektvorphasen, Schulungen der Mitarbeiter und längere Aufenthalte vor Ort können hierfür Lösungen darstellen.

Andere Länder – andere Sitten: Eigenarten im Blick haben

Kulturelle, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflussen die Gestaltung und den Erfolg von IWRM- und Beteiligungsprozessen. Unterschiede zwischen Partnern bzw. in Partnerländern sind bei der Konzeption und Durchführung von Beteiligungsprozessen zu berücksichtigen. Typische Hürden sind unsichere rechtliche Strukturen, Angst vor Eingriffen in Eigentum(srechte), eine fehlende oder schwache Zivilgesellschaft, der Ausschluss bestimmter Gruppen von Beteiligungsprozessen oder das "sich aus der Verantwortung stehlen" im Namen der Partizipation. Es empfiehlt sich, lokale Partner wie Wissenschaftler, Verwaltung, Nichtregierungsorganisationen und einheimische Mitarbeiter möglichst intensiv in die Umsetzung der Beteiligungsprozesse einzubinden. Auch die Arbeit in kleinen Gruppen oder eine Anonymisierung von Aussagen, die in Beteiligungsprozessen gewonnen werden, können helfen.

Transparenz für alle Beteiligten: Partizipation und Öffentlichkeitsarbeit gehören zusammen

Vertraulichkeit und Bekanntmachung sind unterschiedliche Kommunikationsformen, die im gegenseitigen Einverständnis – zugeschnitten auf länderspezifische Rahmenbedingungen, Organisationsstrukturen und Zielgruppen – zum Einsatz kommen. Mal schaffen schriftliche Absprachen, gemeinsame Sprachregelungen oder Verträge begriffliche Ordnung und erzeugen Verbindlichkeit – mal ermöglicht die Veröffentlichung erster Verhandlungserfolge, dass Akteure, die bisher am Rande stehen, sich für den Beteiligungsprozess zu interessieren beginnen. Die gezielte Verknüpfung von Partizipationsprozessen mit einer funktionierenden Öffentlichkeitsarbeit ermöglicht es, Transparenz herzustellen und bestenfalls die Akzeptanz für Maßnahmen zu erhöhen.

Wasser fließt – Partizipation schafft Verbundenheit

Das Element Wasser lehrt eindrücklich, wie leicht ein kostbares Gut in den Händen zerrinnen kann. Partizipation ermöglicht die nötige Achtsamkeit für den Umgang mit der Ressource und miteinander. Sie ist letztlich ein Prozess des gegenseitigen Respekts, Lernens und Vertrauens. Gut konzipiert und koordiniert, getragen von Offenheit und Interesse für die Vorstellungen des anderen hat Partizipation in den untersuchten IWRM-Projekten – manchmal für einige Beteiligte auch überraschend – zum besseren Verständnis und Erfolg beigetragen. Im Projekt "IWRM Isfahan", das das Wassermanagement im Einzugsgebiet des Zayandeh Ruud verbessern half, haben die wichtigsten Schlüsselpersonen aus um Wasser konkurrierenden Sektoren und Regionen einen gemeinsamen Dialog geführt. So konnten die Weichen für die Gründung zweier wichtiger Kommissionen (eine für das Datenmanagement, eine für die Implementierung von Maßnahmen) gestellt werden, die zukünftig den IWRM-Prozess tragen sollen.

Tel.: +49(0)30 34 34 74 40
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"Erfolgreiche Partizipation beginnt im Kopf – bei Auftraggebern, Projektmitarbeitern und Betroffenen gleichermaßen."

Dr. Shahrooz Mohajeri