Institut für Ressourcenmanagement
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BMBF-Programm "Frauen an die Spitze", inter 3-Studie zur Karriereförderung hochqualifizierter Migrantinnen in MINT-Berufen, Bewältigung des Fachkräftemangels

 

Migrantinnen: High Potentials für den deutschen Arbeitsmarkt

"Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands", "Internationaler Wettbewerb um die besten Köpfe", "Willkommenskultur für Hochqualifizierte": Die Problematik des voranschreitenden Fachkräftemangels ist in Politik und Wirtschaft längst bekannt. Bei der Bewältigung dieser Herausforderung werden die Potenziale ausländischer Nachwuchskräfte, speziell weiblicher Fachkräfte, bisher noch zu wenig genutzt. Mit welchen Lösungsansätzen sich dies ändern lässt, zeigen die aktuellen Ergebnisse der inter 3-Studie "Professionelle Selbstorganisation von hochqualifizierten Migrantinnen auf dem Weg an die Spitze".

Spezielle Informations- und Weiterbildungsangebote in allen Karrierephasen

Die Studie belegt, dass freie Stellen in den sogenannten MINT-Berufen mit in Deutschland lebenden hochqualifizierten Migrantinnen besetzt werden können, wenn Nachwuchsingenieurinnen, -Chemikerinnen, -Physikerinnen und -Mathematikerinnen mit Migrationshintergrund gleiche Chancen auf berufliche Spitzenpositionen bekommen.

Zentrales Ergebnis: Hochqualifizierte Migrantinnen haben in den drei Karrierephasen Studium, Berufseinstieg und Berufsaufstieg einen besonderen Informations- und Orientierungsbedarf. Denn die beruflichen Einstiegshürden der Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen mit Migrationshintergrund gehen über die Schwierigkeiten inländischer Frauen sowie über MINT-spezifische Karrierehürden hinaus.

Um die High Potentials unter den Migrantinnen gezielt zu fördern, sollten vier karriereunterstützende Angebote ausgebaut werden:

Früh übt sich – Kulturelle Soft Skills schon im Studium

Studentinnen mit Migrationshintergrund benötigen ein frühzeitiges Informations- und Beratungsangebot zum Verständnis des deutschen Hochschulsystems, zu karrierefördernden Fächerkombinationen innerhalb eines Studienganges und zum Erlernen karrierefördernder Soft Skills. Bislang stoßen Migrantinnen oft erst nach Studienabschluss und damit zu spät auf solche karriererelevanten Informationen.

Erfolgreich bewerben – Information und Coaching für Berufseinstieg und Aufstieg

Der in Deutschland hochformalisierte Bewerbungsprozess ist für Berufseinsteigerinnen mit Migrationshintergrund eine große Hürde. Ein spezielles Beratungsangebot für Einsteigerinnen und Aufsteigerinnen sollte bisher fehlende Kenntnisse der deutschen Arbeitskultur, berufsstrukturelle Zusammenhänge und Arbeitspraktiken vermitteln. Das kann dabei helfen, dass weniger ausländische High Potentials trotz ihrer hohen Fachkompetenz unterhalb ihres Ausbildungsniveaus arbeiten – eine sozial wie volkswirtschaftlich prekäre Diskrepanz.

Deutsch für Profis – Fachsprachentraining "on demand"

Der deutsche Berufsalltag ist nur mit Grundkenntnissen der deutschen Sprache kaum erfolgreich zu bewältigen. Schriftverkehr, Antrags- und Berichtswesen sowie formeller und informeller Wissensaustausch finden allermeistens auf Deutsch statt. Selbst Migrantinnen mit sehr guten Deutschkenntnissen werden oftmals wegen ihres Akzents in ihrer fachlichen Kompetenz abgewertet. Mit Sprachkursen auf hohem Niveau und fachspezifischer Ausrichtung kann dem entgegengewirkt und hochqualifizierten MINT-Frauen mit Migrationshintergrund der Weg an die Spitze ermöglicht werden.

Selbst ist die Frau – Migrantinnen in der Selbstorganisation fördern

Ob Studentin, Berufseinsteigerin oder berufstätige Fachexpertin: Für viele Migrantinnen ist ihre in Deutschland lebende Community sehr wichtig. Sie ist Heimat, Peer-Group und Hilfe bei wichtigen Fragestellungen. Informations- und Beratungsangebote für Migrantinnen sollten daher in enger Zusammenarbeit mit bestehenden Migrantenorganisationen entwickelt werden. Und die Selbstorganisation der MINT-Fachkräfte mit Migrationshintergrund, speziell der Frauen, sollte gezielt unterstützt werden.

Konkrete Strategien hierfür werden derzeit erarbeitet und stehen Ende 2012 zur Verfügung.

Tel.: +49(0)30 34 34 74 52
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Akademikerin mit Migrationshintergrund

"Gut ausgebildete Migrantinnen sind der volkswirtschaftliche Schatz, den wir heben können. Und am besten organisieren sie sich selbst und bauen zusammen eine Infrastruktur zur Karriereunterstützung auf."

Dr. Susanne Schön